anGEdacHt im September 2006

Dreizehnter Dezember 2005, um 0:30Uhr (9:30MEZ). Vor dem San-Quentin Gefängnis in Kalifornien stehen an die 1000 Menschen und protestieren.
Sie marschieren auf und ab,
sie beten.

0:35Uhr die rote Lampe leuchtet....
Stanley „Tookie“ Williams, angeklagt wegen vierfachen Mordes, wird hingerichtet,
mit der Giftspritze...

Die Vorgeschichte:
Stanley Williams, genannt „Tookie“ wuchs in nur wenig sozialisierten Gegenden in den Straßen von New York auf.
Sein Motto: Leben um zu überleben und dazu ist jedes Mittel recht.
Die Mutter überfordert, vom Vater verlassen, gründet er die Crips. Diese Gang wurde später die gefürchtetste Straßengang Amerikas. Gefürchtet, kriminell und bis unter die Zähne bewaffnet, so regierte sie die Straßen.
Bei einem Überfall ging etwas schief.
Zeugenberichten nach habe er vier Menschen von hinten erschossen.
Über die Glaubhaftigkeit der Zeugen gab es immer wieder Diskussionen.
Das Verfahren gegen Stanley Williams fand außerdem in einem Gerichtsbezirk statt, in dem nur ein Prozent der zur Verfügung stehenden Geschworenen schwarzer Hautfarbe sind. Der Vertreter der Anklage ließ jedoch alle Schwarzen aus der Jury ausschließen.

Stanley's Leben veränderte sich im Lauf der Jahre. Reue überkam ihn und zudem auch eine gewisse Verbindung zu dem „einen Gott“ (Berichten zu Folge).
Er wollte, so sehr er es vermochte, Wiedergutmachung (Redemption) leisten.
Durch die Unterstützung einer Journalistin gelang es ihm, ein Sprachrohr für die Öffentlichkeit zu finden.
Verfeindete Gangs, darunter auch die Crips, schafften es dadurch tatsächlich, die Gewalt zu verringern und vielerorts einen Frieden auf die Straßen zu bringen.
Er begann von dem zu schreiben, was er erlebt und geschaffen hat. Er berichtete von den Folgen dieser sinnlosen Wut und Zerstörung.
Und von dem anderen Weg, den es einzuschlagen gälte.
Seine Kinderbücher wurden besonders in Europa, Afrika und Japan verkauft. Die Folge waren umfassende Projekte in den Schulen der so genannten Townships.

Tookie“ wurde neunmal für den Nobelpreis vorgeschlagen. Fünf mal für den Friedensnobelpreis und viermal für den Literaturnobelpreis.

Für eine Begnadigung, also eine Umwandlung der Todes- in eine lebenslange Haftstrafe, setzten sich auch Snoop Dogg, der selbst Mitglied der Crips war, Jesse Jackson, Desmond Tutu, Laurence Fishburne, Danny Glover, Anjelica Huston, Tim Robbins, Susan Sarandon, Jamie Foxx und Faris Al-Sultan ein. Obwohl Arnold Schwarzenegger Gespräche mit den Anwälten des Verurteilten führte, lehnte er das Gnadengesuch ab. Auch der Oberste Gerichtshof der USA sprach sich kurz danach gegen eine Begnadigung aus.

Williams wurde am 13. Dezember 2005 um 0:35 Uhr Ortszeit (9:35 MEZ) mit der Giftspritze hingerichtet. Als Henkersmahlzeit hatte er sich nur ein Glas Milch gewünscht.

Die Todesstrafe, ...
Mord (wenn es im verhandelten Fall einer war) wird mit Mord bestraft.
Wer ist hier Täter, wer ist hier Opfer?
Ist es legitim über Leben und Tod zu entscheiden?
Kann es tatsächlich zur Abschreckung dienen, oder Menschen bessern?

Oder aber sind diese Maßnahmen einem Staat oder der Regierung gegeben um für Recht und Ordnung zu sorgen?

Die Würde des Menschen ist unantastbar, so das Grundgesetz.
Und Jesus betont in der Bibel stets seine ‚Für-Position’ – für das Leben.
Stanley „Tookie“ Williams, hatte einen Lebenswandel hinter sich. Wodurch, ist leider nur zu erahnen. Auf jeden Fall spielte der Glaube eine zunehmende Rolle in seinem Leben.
Und Fakt ist Jesus verändert Leben.
Auch die von radikalen Gangstern.
Und die letztendliche Wiedergutmachung (Redemption) hat er am Kreuz vollzogen.
Sein Leben für die Schuld der Menschen.
Seine Auferstehung für das ewige Leben ohne Hass und Gewalt.

Was ist richtig und welche respektablen Möglichkeiten könnte es heute geben um mit Straftätern umzugehen?

Schreibe mir eine Mail mit deiner Meinung oder poste es ins Forum. Bei reger Teilnahme nehme ich die Diskussion hier auf der Website erneut auf.


Liebe Grüße
Euer Matthias

--> Seine Gefängnis- und Reuezeit ist auch verfilmt (sehr sehenswert)

Sein Leben wurde in dem Film "Redemption" - Früchte des Zorns (engl. Redemption: The Stan Tookie Williams Story) mit Jamie Foxx verfilmt.

Privates:
Stanley Williams war Vater von zwei Söhnen, von denen einer ebenfalls eine Haftstrafe von 16 Jahren Dauer wegen Mordes zweiten Grades (engl. second-degree murder) verbüßt.

Werke:
Stanley Tookie Williams, Barbara Cottman Becnel: Life in Prison, SeaStar Books, 02/2001, ISBN 1587-1709-49

Stanley Williams: Redemption: From Original Gangster to Nobel Prize Nominee - The Extraordinary Life Story of Stanley Tookie Williams, Milo Books, 30. November 2004, ISBN 1903-8543-42

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Weapons (Tookie Speaks Out Against Gang Violence), Powerkids Press, Januar 2003, ISBN 0823-9234-28

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: * Gangs and Drugs (Tookie Speaks Out Against Gang Violence), 1997, ISBN 1568-3813-52

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Self-Esteem: Tookie Speaks Out Against Gang Violence (Tookie Speaks Out Against Gang Violence), 1999, ISBN 0613-0269-0X

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and the Abuse of Power (Tookie Speaks Out Against Gang Violence), 1997, ISBN 1568-3813-01

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Violence (Tookie Speaks Out Against Gangs.), 1997, ISBN 0823-9234-52

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Wanting to Belong (Tookie Speaks Out Against Gang Violence.), 1997, ISBN 1568-3813-1X

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Your Friends (Tookie Speaks Out Against Gangs.), 1997, ISBN 1568-3813-60

Stanley Tookie Williams, Barbara C. Becnel: Gangs and Your Neighborhood (Tookie Speaks Out Against Gang Violence.), 1997, ISBN 1568-3813-79

Stanley Tookie Williams: Blue Rage, Black Redemption: A Memoir, Damamli Pub Co, 30. März 2005, ISBN 0975-3584-05