AnGEdacHt im Februar 2007

Wenn man Leute auf der Straße fragt, was ihnen zu den Stichworten Gott, Bibel und christlicher Glaube einfällt, dann kommen meist Antworten wie Weihnachten, Ostern und zehn Gebote.
Wenn unsere Gesellschaft von Allgemeinwissen und Allgemeinbildung redet, dann wird stets auch darauf geachtet, die religiösen und, in unseren Breiten, die christlichen Werte zu kennen und als gut zu befinden. Nächstenliebe und gute Taten tun – kennen wir alles, die zehn Gebote auch.
...aber ‚Halt!’; fragt man dann nach, kann kaum einer zwei oder drei Gebote aufzählen, geschweige denn die Reihenfolge.
Was steht denn da eigentlich, worauf sich ständig „viele guten Menschen“ berufen?
Und ist es wichtig, die Gebote zu kennen?
Dieser Frage werde ich in den nächsten Andachten nachgehen und beginne gleich heute mit dem ersten Gebot:

Da heißt es: "Ich bin der HERR, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben

mir haben."1
Ich glaube schon hier wird der eine oder andere gute Mensch sagen: Nee, nee halt mal, ich habe keinen Gott und ich kenne auch keinen.
So wird es Zeit diesen Gott einmal kennen zu lernen.

In diesem ersten Gebot stellt sich Gott zunächst einmal vor. Denn es geht los mit dem „Ich bin...[...]“
Ja, ...Gott „ist“.
Er ist kein Hirngespinst, keine Einbildung, kein netter Gedanke an das Gute, keine übertranszendentale Kraft. Er „ist“ ...da.
Unsere Gebete, unsere Gottesdienste, unsere Freude, unser Klagen bleibt nicht an der Zimmerdecke hängen oder landet im Nirvana. Nein, sie finden in einem existenten Gott eine Adresse.

Im Hebräischen heißt das: „Ich bin, der ich bin und ich werde sein, der ich sein werde.“
Oder anders ausgedrückt: Stecke mich nicht in irgendeine Schublade, und denke nicht, mich ganz begriffen zu haben.
Was wiederum auch heißt, das Gott der bleibt, der er ist – nicht heute so und morgen anders. Gott ist verlässlich und ändert seinen Anspruch genauso wenig wie seine Zusagen.

Weiter heißt es „[...] dein Gott [...]“
Und hier ist ganz Schluss mit lustig. Gott will nicht ein unerreichbarer Gott sein; kein Wesen das man vielleicht erst durch Erleuchtung wahrnehmen kann; kein Gott, dessen Gunst sich einer erarbeiten müsste. Gott sagt: „Ich will doch dein Gott sein.“ Ein Gott, mit dem du verbindlich rechnen kannst. Auch in Zeiten von Not und Trauer. Ulrich Parzany sagte einst zum 1.Gebot:
Das ist doch kein Gebot, dass ist eine Liebeserklärung.“ Und dem kommt es wirklich nah.
Ich bin dein...
Wie persönlicher kann und soll Gott es noch ausdrücken?
Wer bietet sich mir noch so an, wie dieser Gott?
Gott will mit jedem Menschen, der das liest, in Beziehung treten.
Und aus diesem Grund, kommt Gott in seinem Sohn Jesus Christus auf die Erde zu uns Menschen.
In Jesus begegne ich also dem EINEN Gott.

Und weiter geht der Satz im 1.Gebot:
„[...]du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“
Mhm, ...vielleicht sagt jetzt der Eine oder Andere: „Ich habe ja gewusst, dass die Sache ein Haken hat.“ Doch halt, muss das ein Haken sein oder ist es nicht vielmehr ein Angebot, wenigstens eine Sache im Leben ganz zu machen und ohne Abstriche?!

Wie oft kommt es denn vor, dass wir von einer Sache überzeugt sind und dennoch Abstriche machen müssen. In jeglichen Bereichen unseres Lebens müssen wir Kompromisse eingehen, um auf den kleinsten Nenner zu kommen, an dem sich dann wahrlich keiner mehr stoßen kann.
Aber zufrieden ist dann damit keiner.
Das fängt mit der persönlichen Lebenssituation an (Arbeits-, Wohnungs- und Freundessuche) geht über das unbezahlbare Hobby (andere Sachen kann man sich dann nicht mehr leisten) und hört eben beim Thema Glaube und Gott auf.
Leben wir doch in einer Welt des absoluten Synkretismus. Im theologischen Kontext spricht man da von der Vermischung verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Oft ist dann der Preis des gemeinsamen Nenners der Verlust der religiösen Grundlage, der eigenen Überzeugung. Mit diesem Problem kämpfen übrigens alle Religionen.
Hier ein bisschen Gott, da ein wenig Yoga, dort ein Stück Koran, vielleicht auch Erleuchtung, aber eigentlich haben wir doch alle den einen Gott.
Wer das glaubt, hat doch nur Angst, dass die eigene Überzeugung (sofern man dann von einer sprechen kann) nicht die richtige sein könnte.

Oder warum können wir denn nicht überzeugt von einer Sache sein? Liegt es an unserem aufgeklärten Verstand? Der ja alles wissenschaftlich begründen will und nur, was dieser Prüfung standgehalten hat, ist „glaubwürdig“?
Kann nicht sein, sonst würden Wahrsager, Magiere und andere Vertreter übersinnlicher Erfahrungen nicht eine solche Konjunktur erfahren, wie zurzeit.
Oder liegt es vielleicht vielmehr an einer mangelnden Verbindlichkeit. „Bloß nicht festlegen. Ich will doch meine Freiheit behalten. Da passt mir das mit dem einen Gott gar nicht.“
Und ja richtig, Gott ruft zur Verbindlichkeit. Kein „Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort.“ Kein Sonntag geh ich in die Kirche (oder zumindest Weihnachten) – könnte ja doch was dran sein an dem christlichen Glauben. Oder an den 1000 anderen Weltanschauungen.

Der Gott der Bibel will keine halben Sachen. Er will die ganze Woche der eine Gott sein. Der eine HERR über meinem Leben. Montag bis wieder Montag, ohne Abstriche.
Und so folgt die Frage: Was/Wer ist denn mein Gott? Die Bibel sagt: „Woran ich mein Herz hänge, das ist mein Gott.“ Woran hänge ich mein Herz?

Für manch einen mag das sehr nach einer Einengung der eigenen Freiheit klingen. Mag in gewisser Hinsicht auch stimmen. Nur ganz ehrlich muss ich sagen, bin ich Gott für diese „Einengung“ sehr dankbar. Denn meine so genannte Freiheit verleitet mich doch immer wieder dazu, mich an andere Dinge, als an Gott zu hängen. Anderen Gegebenheiten in meinem Leben mehr an Bedeutung zu geben, als sie verdienen. Mehr mein Leben in Sünde und Sinnlosigkeit zu verbringen als mir jemals lieb ist. Ja das ich, wenn ich ehrlich bin, mehr mein Leben zerstören kann, als ich mir Gutes tue.
Und im Gegenzug stelle ich fest, dass ich eine viel größere Freiheit gewinne als ich meine, verloren zu haben.
Denn, wenn ich diesen Gott als den meinen annehme, werde ich frei davon, mich in Zwänge zu pressen. Dann erlebe ich eine wechselseitige Verbindlichkeit, die mein Leben vor dem „Dahinplätschern“ bewahrt. Ja, ich erlebe die Freiheit, mich auf einen Gott verlassen zu können, ohne mich umschauen zu müssen, ob es noch andere Möglichkeiten gibt, neue ungewöhnliche spirituelle Erfahrungen zu machen.
Wenn mein Herz bei diesem Gott angekommen ist, dann bewahrheitet sich auch die wörtliche Übersetzung diesen zweiten Teils, die da heißt: „[...] Du wirst kein andern Götter neben mir haben.

Ein Gott also, der real und erlebbar existiert, der mir nah sein will, der mein sein will, der mich kennt und mich sieht. Und ein Gott, der anbietet, verbindlich und sinnvoll zu leben.
Ich wünsche uns diesen Gott als gemeinsamen HERRN.

Ich bin der HERR dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.1


Euer Matthias


1 2. Buch Mose Kapitel 20. 2+3

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