anGEdacHt im Oktober 2007

Auf die Frage: Wo oder was ist Heimat – antwortete ein junger Mann einst wie folgt:

Für mich ist Heimat das Gefühl der Anerkennung, das Gefühl dazu zugehören, leider muss ich mir diese Anerkennung erst einmal erarbeiten.
Denn es ist gar nicht einfach als halb Marokkaner und halb Deutscher, der in seinem Vaterland als Scheiß-Nazi beschimpft wird, obwohl ich keiner bin, und in seinem Mutterland als Scheiß-Ausländer bezeichnet, wird obwohl ich ja keiner bin.
Da hilft nur ...
...`Fremd im eigenen Land` zuhören und darauf hoffen, dass die meisten Menschen nicht mehr so dumm bleiben.“

Was für ein Urteil, noch viel schlimmer, was für ein Wahrnehmung eines in Deutschland lebenden jungen Menschen (wo er geboren ist, ließ sich nicht herausbekommen). Aber ganz egal.
Hat er nur mit den falschen Leuten zu tun - „hüben wie drüben“. Dann muss es ziemlich viele davon geben. Oder aber, wir sind es selber – die manchmal zu solch einem Bild beitragen. Nicht weil wir bestimmte Sachen sagen, nein vielmehr, weil wir bestimmte Sachen eben nicht sagen.
Vielleicht aber auch, weil wir uns selbst oft nicht heimisch fühlen.

Wo bin ich den eigentlich zu Hause? Kann ich mich überhaupt jemals zu Hause fühlen, in einer Welt die manchmal nur Egoismus zu kennen scheint? Kann ich mich heimisch fühlen in einer Welt, die doch gar nicht an mir interessiert ist?

Doch, es gilt schon zu unterscheiden zwischen den Begriffen „Heimat“ und „zu Hause“.
Wenn ich diverse Foren im Internet durchstöbere, die sich mit solcher Thematik beschäftigt haben, dann stelle ich fest, dass für die meisten Menschen Heimat der Ort ist, an dem sie aufgewachsen sind. Einer Umfrage zufolge meinten das immerhin 44%. Für 33% ist Heimat der Ort, wo sie sich zu Hause fühlen. Circa 10% meinten noch Heimat sei der Ort wo sie jetzt wohnen und für 11% ist es die Region, mit deren Geschichte man sich identifizieren kann.

Und ich stelle fest, dass der Begriff Heimat gar nicht so altmodisch und abgenutzt ist, wie er scheint.
Heimat hat eben nicht nur etwas mit Liebesschnulzen aus den 60er Jahren zu tun, die zudem meistens noch im Gebirge spielen.

Nein mit meiner Heimat identifiziere ich mich; entweder für das „damals“ oder sogar noch für mein „heute“.
Doch ich glaube, wir Menschen wollen nicht nur eine Heimat haben, nicht nur beheimatet sein. Nein – wir wollen zu Hause sein.
Zu Hause ankommen.
Sich wie zu Hause fühlen.

Doch wo ist zu Hause?
Ein zu Hause ist mehr als ein Dach über dem Kopf.
Ein zu Hause ist mehr als ein Land, eine Region oder ein Ort.
Ein zu Hause ist mehr als irgendwo wohnen.

Bist du zu Hause?

In der Bibel, ziemlich am Anfang, war ein Mann. Erst hieß erst Abram später Abraham.
Der hatte es nicht einfach. Seine Frau konnte keine Kinder bekommen. Ihr Kinderwunsch blieb zunächst unerfüllt. Und dann sagt Gott auf einmal zu ihm, als er schon, für heutige Verhältnisse, im hohen Rentenalter war: „Geh fort von zu Hause, lass alles zurück. Nimm nur deine Familie mit und was du so hast. Und geh fort – in ein Land das ich dir zeigen werde.

Was verlangt Gott hier von einem alten Mann? Mit 75 Jahren die Heimat verlassen.
Das vertraute zu Hause. Was wird er wohl gedacht haben?
Hier kenne mich doch aus.
Hier weiß ich, wo ich was finde.
Hier ist mir alles vertraut.

Mein Gott muss das sein?

Abraham gehorcht Gott. Er geht, nimmt sein Hab und Gut, eben so viel wie er tragen kann, sowie seine Frau, mit.
Und es wird noch härter. Später sind sie in Ägypten, in der Fremde. Es herrscht Hungersnot. Seine Frau Sara war hübsch und damit sie ihn nicht töten, um an die Frau zu kommen, gibt er sie als seine Schwester aus.
Abraham Heimatlos? Vielleicht nicht, wird er doch nicht vergessen, wo er her kommt.
Abraham ohne zu Hause? Vielleicht eher, und sicher fragte er sich: „Gott, wo ist denn nun zu Hause? Wann komme ich an, in dem zu Hause das du mir versprochen hast?

Und ich denke zurück an den Juli letzten Jahres. Mein Studium war zu Ende. Meine Heimat – und noch immer Hauptwohnsitz, war in Chemnitz.
Ich hatte Gott in den letzten Wochen und Monaten immer und immer wieder gefragt, wohin mein Weg geht. Welchen Platz hat Gott für mich? Wo ist mein zukünftiges zu Hause? Ich hatte mich beworben und ein Stelle in einem CVJM in Wuppertal bekommen. Wir hatten nun alles eingepackt; ein Kleinbus und unser Auto - Start in aller Frühe.
Ich werde nie vergessen, und es bewegt mich, heute wie damals, als meine Frau und ich im Auto saßen. Auf der Autobahn verließen wir gerade den Freistaat Sachsen. Als mir Tränen in die Augen kamen.
Mein Gott, wo geht es hin?
Während FSJ, Zivi, Ausbildung und Studium in den letzten Jahren, ist man ja trotzdem nie richtig weggewesen. Ich wusste, das geht vorbei.
Aber nun? ...galt es alles hinter sich zu lassen.
In meinem inneren Auge spielte sich ein Film ab.
Alle gewohnten Orte und Ecken in meiner Heimatstadt, der Stadtpark, tausendmal mit dem Rad durchkreuzt. Die Zentralhaltstelle mit den täglich vielen Menschen – welch reges Treiben.
Meine Heimatgemeinde – all die Gemeinschaft und die Freundschaften die dort über die Jahre gewachsen waren.
Alles weg – von nun an weit weg.
Gott wir gehen in ein weit entferntes Land (über 500km von zu Hause), dass du mir gezeigt hast.“
Immerhin wussten wir, wo wir hin sollten – da waren wir weiter als Abraham zu jenem Zeitpunkt.

Um es abzukürzen. Wir waren zehn Monate in jener Fremde (meine Frau durchs Studium aber noch oft in Dresden). Wir haben in dieser Zeit auch Freundschaften geschlossen.
Ich habe mich zeitweise zu Hause gefühlt. Meine Heimat war es aber nie. Waren die Menschen dort, doch von einem ganz anderen Schlag.
Aber da wo Menschen waren, die an den selben Gott glaubten, wie ich, war ich zu Hause.
Ich musste in der Gemeinde in die ich meistens ging, niemand weiter kennen. In Gott fühlte und wusste ich mich zu Hause. Das war gewiss keine leere Phrase.

Heute sind wir wieder in Sachsen – nicht in unserer Heimatstadt, zwar näher dran, aber trotzdem in der Fremde.
Wir beginnen erneut Kontakte aufzubauen – beginnen heimisch zu werden.

Wo ist zu Hause? Für mich gibt es da mittlerweile nicht viele Antworten.

Zu Hause ist, wo mich Menschen aufnehmen – und mir mit ihrer Herzenswärme entgegen strahlen.
Zu Hause ist, wo ich mit anderen Menschen zusammen beten kann. Wo wir einander mitteilen können.

Und dazu können wir beitragen – denn denken wir noch einmal an den Marokkaner vom Anfang, dann wird uns deutlich, wieviel Anteil wir haben können, vom dem wie sich andere Menschen zu Hause – beheimatet fühlen.

Und zu Hause wird da, wo Gott mich hinsendet – denn dort bin ich niemals allein.

Für Abraham galt das gleichermaßen. Sein Wirken war sehr gesegnet und Kinder bekam er und seine Frau im hohen Alter obendrein.

Wo bist du zu Hause – sehnst du nicht noch danach?

Suche den Gott, den die Bibel meint – ich verspreche dir, dass du finden wirst, wonach dein Herz sich sehnt!

Wenn du Fragen dazu hast, dann maile mir.
> matthias@interheiland.de

Hast du ebenfalls Erfahrungen zu diesem Thema gemacht?
Dann maile mir das ebenfalls, oder schreibe es ins Forum. Im nächsten Monat gibt es evtl. eine Fortsetzung dazu.

Den Bibeltext zu Abraham findest du in der Bibel im Alten Testament: 1.Mose Kapitel 12 Vers 1 und folgende Verse. (Lutherbibel Seite 13)

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