anGEdacHt im Februar 2008
Das weiße Blatt (von Hanna Stieglitz)
Osterkonferenz in Heppenheim – jährlich vier Tage für eritreische Christen aus ganz Deutschland! Ein wunderschönes Erlebnis! Da sitzen „hungrige“ Menschen. Sie wollen auftanken für ihren Alltag. Sie bekommen nicht genug von Bibelarbeit, singen, beten, austauschen! Nachts sitzen wir Frauen im Flur der Jugendherberge, kochen Kaffee, holen die Hocker aus unseren Zimmern – und reden weiter! Der Schlaf kommt in der Zeit zu kurz. Aber wir haben uns so viel zu erzählen und einander Mut zu machen. Es ist eine offene Atmosphäre unter uns Frauen.
An einem Abend darf ich zu den Teilnehmern sprechen. Ich bete um das richtige Wort! Es ist wichtig. Gerade weil sie wissen, dass ich sie liebe, habe ich eine gute Chance, auch unbequeme Dinge anzusprechen.
Ich gehe durch den Mittelgang nach vorne – in der Hand ein leeres weißes Blatt Papier. Ich sage der Gemeinde: „Ich habe euch ein Geschenk mitgebracht!“ Sie schauen verdutzt. Sie können nichts sehen! Ich fahre fort: „Dieses Blatt Papier bedeutet unser Leben. Es ist ursprünglich leer. Dann schreiben wir es allmählich voll: In der Kindheit haben wir unsere Wünsche – dann in der Jugendzeit – und jetzt, in unserem Alter? Was habt ihr auf dieses Blatt geschrieben? Flucht aus Eritrea – Familienzusammenführung – Arbeitsplatz und Wohnung in Deutschland – genug Geld – Auto – Fernsehen – Ferien? Gute, verständliche Wünsche. Nun soll Gott seine Unterschrift geben!
Das zeigt kein Vertrauen zu ihm. Er freut sich nicht darüber – und er gibt auch nicht seine Unterschrift!
Er will das Blanko-Blatt – von uns unterschrieben! Dann schreibt er das Blatt voll mit seinen Wünschen. Viele von diesen Wünschen gefallen uns gar nicht. Aber er will es so für unser Leben. Auf meinem leeren Blatt steht z.B.: verheiratet mit Heinz (gut!), drei Kinder (gut!), acht Enkelkinder (toll!) und es steht da: Brust-OP (halt!), Krebs (nein!), acht OPs (halt!), große Schwäche (die will ich nicht!), ...
Aber nur in dem , was Gott für uns aufschreibt, will er sich verherrlichen, will er bei uns sein – und uns segnen! Das habe ich erlebt. In jedem Krankenhausaufenthalt war ein Segen versteckt, den ich sonst nicht erlebt hätte. Trotzdem sind wir immer wieder in der Versuchung, das Blatt mit unseren Wünschen zu füllen.“
Tränen flossen! Wir fanden uns alle bei diesem Bild wieder – und wollten neu unsere „leeren Lebensblätter“ unterschrieben Gott hinlegen!
aus: Von Jesus überrascht. Lebensgeschichten. Lahr/Schwarzwald 2006.