anGedacHt im Januar 2006


In einem Theaterstück von Lorraine Hansberry „Rainin in the Sun“ (Rosine in der Sonne) rückt folgende Szene in das Augenmerk des Betrachters:
Eine afroamerikanische Familie bekommt zehntausend Dollar aus der Lebensversicherung des Vaters ausbezahlt. Die Mutter sieht in dem Geld die Chance, dem Ghetto in Harlem zu entkommen und sich ein kleines Haus auf dem Land kaufen zu können.
Die hochintelligente Tochter der Familie möchte sich mit dem Geld ihren Traum erfüllen und Medizin studieren.
Doch der ältere Bruder hat ein Anliegen, dass nur schwer ignoriert werden kann. Er möchte das Geld haben, um mit einem „Freund“ gemeinsam ein Geschäft zu gründen. Er erklärt der Familie, mit dem Geld könne er etwas aus sich machen und somit gleichzeitig auch den anderen helfen. Er verspricht, die Familie mit seinen Einkünften für alle Not und alles Elend in der Vergangenheit zu entschädigen.
Wider besseren Wissens gibt die Mutter dem Bitten des Sohnes nach. Sie gesteht sich ein, dass das Leben nie sehr gut zu ihm gewesen war und er es verdient hat, sich mit dem Geld ein etwas besseres Leben zu schaffen.
Wie schon zu vermuten, verschwindet der sogenannte „Freund“ mit dem Geld. Der verzweifelte Sohn kehrt nach Hause zurück und teilt der Familie mit, dass ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft gestohlen und alle Träume zunichte gemacht worden sind.
Seine Schwester überschüttet ihn mit bitteren Vorwürfen. Die übelsten Schimpfnamen wirft sie ihm an den Kopf. Ihre Verachtung für ihren Bruder kennt keine Grenzen.
Als sie in ihrer Tirade innehält, um Luft zu holen, unterbricht die Mutter sie und sagt: „Ich dachte, ich hätte dir beigebracht, ihn zu lieben.“
Die Tochter antwortet: „Ihn lieben? Es ist nichts von ihm übriggeblieben, dass ich lieben könnte.“
Und die Mutter antwortet: „Es ist immer etwas zum Lieben übrig.
Und wenn du das nicht gelernt hast, dann hast du überhaupt nichts gelernt.
Hast du heute schon um den Jungen geweint? Ich meine nicht um dich selbst und um die Familie, weil wir alles Geld verloren haben. Ich meine um ihn: um das, was er durchgemacht hat, und das, was es ihm angetan hat.
Kind, wann hat ein Mensch deiner Meinung nach besonders Liebe verdient: wenn er Gutes getan hat und allen alles recht gemacht hat? Also, wenn du dieser Meinung bist, dann hast du noch gar nichts gelernt. Ein Mensch braucht besonders Liebe und Zuwendung, wenn er ganz unten ist und nicht mehr an sich selbst glauben kann, weil die ganze Welt auf ihm herumtrampelt.
Wenn du anfängst, jemanden zu beurteilen, dann beurteile ihn richtig, Kind!
Achte darauf, dass du auch berücksichtigst, welche Berge und Täler er hinter sich gebracht hat, bevor er an den Punkt gekommen ist, an dem er steht.“

Das nenne ich Liebe,...
jemanden dann noch lieben, wenn er gerade alles falsch gemacht hat, was man nur falsch machen kann.
Und wissend, ...das geht nicht mehr rückgängig zu machen,
...zu spät.
Alle trampeln auf mir rum, ...
ich werde gehasst.
Die Probleme um mich türmen sich wie Berge.
Die Arbeit wird nicht schaffbar,
der Leistungsdruck unter dem ich stehe, erdrückt mich;
ich habe gerade jede Menge Geld verschleudert
und meine „Freunde“ verlassen mich.
Sowohl die falschen, als auch die angeblich „echten“.

In diese Stelle spricht ein Satz aus der Bibel, der durch das Jahr 2006 begleiten will.
Man nennt das Jahreslosung. Zu Josua (das ist der, welcher das Volk Israel in das versprochene Land führen soll) sagt Gott und er sagt das auch zu mir und zu dir:

„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.“
Oder:
„Ich will dich nicht verlassen und nicht von weichen.“

Ich gehe nicht, ich will doch dein Gott sein.
Komme, was da will, ...ich liebe dich auch dann,
...wenn es kein anderer tut.
Ich liebe dich auch dann,
...wenn jeder meint, dass du es nicht verdient hast.
Ich liebe dich auch dann,
...wenn du der letzte Arsch bist.
„Denn ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht!“
Komm zu mir und lade ab, was dir zu schaffen macht.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes, gesundes und echt geniales Jahr 2006.
Möge es erfahrungsreich in die Geschichte eures Lebens eingehen.

Euer Matthias

[eingehende Erzählung nach Tony Campolo; frei nach: Alice Gray „Ein Lied in der Nacht; Schulte und Gerth, Wetzlar 2003, S.19]